Tradition oder Täuschung?

STEIN/OBERASBACH – Tracht ist etwas Ursprüngliches, immer da Gewesenes, Unveränderliches. Zahlreiche Abbildungen aus dem 19. Jahrhundert belegen dies und dienen noch heute als Vorlage und Inspirationsquelle für so manche nachgeschneiderte Tracht.

Doch wie zuverlässig sind diese Abbildungen eigentlich? Woher wissen wir, dass der Maler oder Lithograph wirklich wiedergegeben hat, was er sah? Wurde das Gezeigte auch tatsächlich so getragen oder spielt der Wunsch des Porträtierten oder des Auftraggebers auch eine Rolle? Anhand von Beispielen zeigt Katrin Weber, Leiterin der Trachtenforschungs- und -beratungsstelle des Bezirks Mittelfranken, dass auch anno 1800 schon eifrig zur Retusche gegriffen wurde und auch das noch junge Medium Fotographie nicht davon verschont blieb.

Tourismus, Werbung, Postkartenindustrie und nicht zuletzt das bayerische Königshaus griffen mitunter heftig in die Tatsachen ein – die einen, weil „traditionelle“ Motive sich besser verkauften; die anderen, weil Tracht als ein probates Mittel zur Einung widerstrebender Landesteile erschien. So entstanden auch in Franken „Trachtenwahrheiten“, die noch heute Gültigkeit haben, mitnichten aber immer unverbrüchliche historische Realität darstellen.

Besonders wenn solche Bilder als Muster für eine nachgenähte Tracht dienen sollen, ist daher Vorsicht geboten. Anhand von Originalstücken aus der Sammlung der Forschungsstelle wird deshalb der Frage nachgegangen, wie denn die tatsächliche „Tragerealität“ in Mittelfranken ausgesehen hat. In einem Ausblick wird aufgezeigt, wie Schneiderinnen und Schneider dies in tragbare, moderne Trachten umsetzen können.

Der Vortrag findet am 13. April in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule südlicher Landkreis Fürth im Seminarraum EG des KuBiZ (Kultur und Bildung im Zentrum), Am Rathaus 8 in Oberasbach statt und ist kostenfrei. Beginn ist um 18:30 Uhr, Ende um 20:00 Uhr. Mehr Informationen und Anmeldung unter: www.vhs-sl-fuerth.de/kurssuche/kurs/Trachten-Tradition-oder-Taeuschung/26-2210

Nahaufnahme einer Tracht aus Mittelfranken, eine Hand befindet sich in einer Stulpe.
Moderne Interpretation einer mittelfränkischen Tracht aus der Gegend um Baiersdorf (Entwurf und Umsetzung: Schneidermeisterin Rosalie Postatny), kombiniert mit traditionellen gestrickten Perlenstulpen aus der Übergangsregion zu Oberfranken und einem historischen gestrickten Perlenbeutel aus Erlangen. Bildnachweis: Trachtenforschungs- und -beratungsstelle des Bezirks Mittelfranken