Bezirk Mittelfranken ehrt Norbert Treuheit

ANSBACH – Der mittelfränkische Bezirkstag hat in seiner heutigen Sitzung einstimmig die diesjährigen Träger des Wolfram-von-Eschenbach-Preises sowie der drei mit der Auszeichnung einhergehenden Kulturförderpreise beschlossen.

Der mit 15.000 Euro dotierte Wolfram-von-Eschenbach-Preis 2026 geht an den Verleger und Literaturwissenschaftler Norbert Treuheit. Der 1956 in Fürth geborene und in Cadolzburg lebende Gründer und Geschäftsführer des ars vivendi Verlags hat sich in einzigartiger Weise um die fränkische Literatur- und Verlagslandschaft verdient gemacht. Seit der Gründung des Verlags im Jahr 1988 hat er zahlreiche Autorinnen und Autoren aus Franken, Deutschland und dem Ausland begleitet und gefördert. Sein Verlag ist mittlerweile weit über die Region hinaus bekannt. Als Entdecker und Förderer des Frankenkrimis setzte er ebenso Maßstäbe wie mit der viel beachteten neuen Shakespeare-Gesamtausgabe, seinem verlegerischen Lebenswerk. Unter seiner Leitung wurde ars vivendi mehrfach mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet. Mit der Ehrung würdigt der Bezirk Mittelfranken ein Lebenswerk, das die fränkische Literaturlandschaft nachhaltig geprägt hat.

Kulturförderpreise an Sutcliffe, Schneider und Sterzbach

Die drei mit jeweils 5.000 Euro dotierten Kulturförderpreise gehen in diesem Jahr an Instrumentalband Sutcliffe, an die Schriftstellerin Nadine Schneider und an die bildende Künstlerin Anne Sterzbach.

Die Instrumentalband Sutcliffe aus dem Raum Nürnberg/Weißenburg/Schwabach begeistert seit ihrer Gründung mit atmosphärischen Eigenkompositionen, die zwischen Americana, Avantgarde und Filmmusik angesiedelt sind und weit über die Region hinaus Beachtung finden. Besondere Anerkennung erhielt das Quintett, bestehend aus Melanie Albrecht, Michael Albrecht, Joe Brugger, Markus Hofer und Andreas Schock, für ihre eindrucksvolle Live-Vertonung des Stummfilmklassikers „Das Cabinet des Dr. Caligari“ sowie für die eigens komponierte Musik zum Weissenburger Stadtschreiberstück „Archaeopteryx – Der Stein vergisst nicht“. Mir ihrer unverwechselbaren Klangsprache, der Verbindung von Musik und visueller Kunst sowie ihrem langjährigen kulturellen Engagement bereichert Sutcliffe die fränkische Kulturlandschaft in besonderer Weise.

Die 1990 in Nürnberg geborene, in Burgthann lebende Schriftstellerin Nadine Schneider hat sich mit ihren Romanen „Drei Kilometer“ (2019), „Wohin ich immer gehe“ (2021) und „Das gute Leben“ (2026) als eine der herausragenden Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur etabliert. In einer klaren und eindringlichen Sprache erzählt sie von Familiengeschichten, Flucht, Vertreibung, Herkunft und der Suche nach Heimat. Für ihr literarisches Schaffen wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hermann-Hesse-Förderpreis und 2021 zum Ingeborg-Bachmann-Preis eingeladen. Mit dem Kulturförderpreis würdigt der Bezirk Mittelfranken eine Autorin, deren Werk persönliche Geschichte und regionale Verankerung auf eindrucksvolle Weise miteinander verbindet.

Die 1969 in Bayreuth geborene bildende Künstlerin Anne Sterzbach, wohnhaft in Nürnberg, hat mit Zeichnungen, Fotografien, Objekten und Installationen eine unverwechselbare künstlerische Position entwickelt. Ihre Werke zeichnen sich durch einen sensiblen Umgang mit Raum, Material und Wahrnehmung aus und eröffnen mit oft einfachen Mitteln neue Blickwinkel auf Architektur und Alltag. Anne Sterzbachs Arbeiten werden seit vielen Jahren in renommierten Museen, Kunstvereinen und Galerien gezeigt und sind in bedeutenden öffentlichen Sammlungen vertreten. Mit ihrer konsequenten und eigenständigen künstlerischen Praxis zählt sie zu den prägenden Stimmen der zeitgenössischen Kunst in Franken.

Die Verleihung der Preise ist für den 28. Oktober um 17:00 Uhr in Wolframs-Eschenbach angesetzt.

Den Wolfram-von-Eschenbach-Preis verleiht der Bezirk Mittelfranken in diesem Jahr bereits zum 47. Mal. Namensgeber ist der im zwölften Jahrhundert in dem heute gleichnamigen Ort im Landkreis Ansbach geborene Dichter und Minnesänger Wolfram von Eschenbach. Laut Satzung wird der Wolfram-von-Eschenbach-Preis „in Anerkennung bedeutsamen kulturellen Schaffens“ verliehen. Die mit der Auszeichnung einhergehenden drei Kulturförderpreise erhalten Kulturschaffende „in Anerkennung förderungswürdiger kultureller Leistungen“. Ein Kriterium für die Auszeichnungen ist, dass die Künstlerinnen und Künstler allesamt „durch Geburt, Leben oder Werk mit Franken“ verbunden sein müssen. Vorschlagsberechtigt sind alle Bürgerinnen und Bürger Mittelfrankens. Über die Vergabe entscheidet der Bezirkstag von Mittelfranken.

Portrait von Preisträger Norbert Treuheit.
Der Verleger und Literaturwissenschaftler Norbert Treuheit erhält den Wolfram-von-Eschenbach-Preis des Bezirks Mittelfranken 2026. Bildnachweis: Annabell Stochay/ars vivendi verlag