Bezirk Mittelfranken

Captain Kirk auf der Brücke der Enterprise

Medienfachberater Klaus Lutz über seine Erlebnisse im Webinar

Portraitfoto Klaus Lutz

Ansbach/Nürnberg – Die Corona-Pandemie hat auch unser digitales Leben enorm verändert. Als Medienpädagoge ist Klaus Lutz derzeit besonders gefordert. Der 58-Jährige ist seit zwanzig Jahren hauptamtlicher Medienfachberater des Bezirks Mittelfranken und hat seinen Dienstsitz im Medienzentrum Parabol in Nürnberg. Unter dem Motto „Wie Corona mein Leben als Medienpädagoge verändert hat“, schildert er lustige Anekdoten und Erlebnisse in einem Webinar:

„Der Berufsstand der Medienpädagogen ist von der technischen Entwicklung so abhängig wie der Literaturkritiker von der Literatur: Keine Technik, keine Probleme, keine Aufgaben für die Medienpädagogik. In Zeiten von Corona kann ich mich als Medienpädagoge über einen Mangel an Problemen und Aufgaben nicht beklagen. Alle, wirklich alle, sogar die Schulen, sind auf die durch Technik unterstützte Vermittlung von Wissen angewiesen. Die Spitze dieser Entwicklung hat einen Namen: Webinar. Ein Webinar bündelt alle technischen und didaktischen Instrumente, um Online-Seminare erfolgreich gestalten zu können. Man braucht nur einen Internetzugang, ein Endgerät mit Kamera und einen Kopfhörer mit Mikrofon. Dann schaltet man sich über einen Dienst wie Teams oder Zoom zu einer vereinbarten Zeit ein und schon kann es losgehen. Oder halt auch nicht. Wie bei einem Offline-Seminar finden nämlich manche Teilnehmende den Weg nicht und müssen per Handy mit „da klickst du auf den Link und gibst dann das Passwort ein“ zu dem Seminar navigiert werden. 

Nach meist 15 Minuten sind endlich alle angemeldeten Personen online und es könnte eigentlich losgehen – denkt man. Aber schon fliegen die ersten aus irgendwelchen Gründen wieder aus der Konferenz. Sei es, dass ihr Internet streikt, der Akku leer ist, sie überhaupt keine Lust haben teilzunehmen oder den Button „Meeting verlassen“ entdeckt haben, der bei Betätigung wie der Schalter eines Schleudersitzes funktioniert –  binnen einer Millisekunde wird man in die unendlichen Weiten des Internets katapultiert. Spätestens jetzt verzichte ich als Kursleiter darauf, mich um die Verluste zu kümmern. Irgendwann muss es ja mal losgehen. Im Idealfall sind alle noch vorhandenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleichzeitig per Video auf dem Bildschirm zu sehen und haben ihr Mikrofon stummgeschaltet. Was nie funktioniert. Denn die einen vergessen es auszuschalten und lassen alle anderen an der Erteilung elterlicher Kommandos fürs Homeschooling teilhaben; die anderen vergessen es einzuschalten, wenn sie etwas sagen wollen. Die dritte Kategorie redet ohne Unterlass. Zum Glück hat die Seminarleitung die Macht, Teilnehmer stummzuschalten. Um nun die soziale Distanz zu überwinden, die sich auf Grund der technischen Vermittlung ergibt, gilt es erst einmal mit kleinen Aufwärmspielen die Atmosphäre etwas aufzulockern. Beliebt ist beispielsweise das alte Kinderspiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Der Seminarleiter kann dafür seinen Bildschirm für alle freigeben und ein Bild mit vielen Details einblenden. Alle können mitspielen. Mein persönlicher Favorit ist es aber, die Teilnehmer aufzufordern ihre Haustiere vorzustellen. Sie können sich gar nicht vorstellen, was es da alles gibt: Süße Hauskatzen und riesige Hunde in Zwei-Zimmerwohnungen, aber auch exotische Schlangen oder giftige Spinnen. 

Das Schöne ist, dass dieses Spiel weder für Allergiker noch für Phobiker ein Problem ist. Nach der Aufwärmphase wird mit einem Vortrag über eine für alle sicht- und hörbare Powerpräsentation in das Thema eingeführt. Anschließend werden die Teilnehmenden meist in Gruppen eingeteilt und sollen in sogenannten Breakout Rooms zusammenarbeiten. Die Möglichkeit, Teilnehmer in Breakout Rooms zu schicken, vermittelt mir als Seminarleitung jedes Mal das Gefühl, als Captain Kirk auf der Brücke der Enterprise zu stehen: mit einem Klick werden die Teilnehmer weggebeamt und landen in einem virtuellen Workshopraum, um dort in Kleingruppen Aufgaben zu lösen. Noch cooler als das Wegbeamen finde ich das Zurückbeamen: Nach einem Countdown von beispielsweise 60 Sekunden tauchen sie wie von Geisterhand wieder mit Bild auf dem Monitor auf. Nun gilt es noch die Ergebnisse zu sichern und sich zu verabschieden. Zähle ich dabei auf dem Bildschirm nochmal alle durch, so stelle ich häufig fest, dass auch während des Webinars zwei oder drei verloren gegangen sind. Ich frage mich jedes Mal, wo sie denn geblieben sind: Habe ich sie versehentlich zu den Klingonen gebeamt? Teilen sie das Schicksal der in der Waschmaschine verschwundenen Socken? Oder sind sie heimlich durch ein schwarzes Loch entwischt? Ich hoffe jedenfalls sehr, sie finden aus den unendlichen Weiten des Internets wieder zurück auf die Erde.“
 

25.06.2020

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